Seitenwechsel in imaginäre Räume

Malerei ist ein langsames Geschäft in schneller Zeit. Sie ist gründlich gegenüber dem oberflächlichen Stakkato der visuellen Sensationen, sie ist Entwicklungs- und Reflexionsprozess und kein Schnappschuss und sie meint den Menschen. Er ist ihre Ursache. Die Malerei von Christian Bussenius versteht sich in diesem Sinn. Sie schafft ihren menschlichen Figuren den Raum, den es braucht, um Rollen und Vorstellungen durchzuspielen und trägt mit jedem Schatten, jeder Haltung und Geste ihr Bedenken mit in das Bild, findet Ausdrücke für Allzumenschliches, Farben für Stimmungen und Formen für Narrative.

Seine gegenständliche Malerei konstituiert sich im Nach-Denken und Voraus-Denken. Hier ist der Künstler auch Kundschafter und vorausgeschickt, um Lebensbedingungen abzusehen und Gefahren anzuzeigen – und damit ganz nebenbei ausgesetzt dem persönlichen Wagnis, das es bedeutet, Künstler zu sein. Bussenius hat seinen Blick scharf gestellt auf junge Protagonisten, die fragend innehalten vor der nächsten Zukunft und hat sie in leisen Szenerien platziert, die diese angespannte Ruhe verdichten. Die Momentaufnahmen geben nahezu intime Einblicke, die der Maler als Beobachter ohne Stimme vertiefen und spürbar machen kann. Hier gelingt die Verbindung aus der Wahrheit des Lebens mit künstlerischer Wahrhaftigkeit. Bussenius malt an gegen Stereotypen und Urbilder. Seine Werke sind aber auch Annäherungen an den Menschen. Er schafft in Malerei auf Leinwand imaginäre Räume, in denen er verschiedene Ideen wie auf der Probebühne des Lebens durchspielen kann: Rollen und Identitätsversuche.

In diesen Räumen, die mal konkreter, mal weniger eindeutig formuliert sind, entwickelt er seine Vorstellung von künstlerischer Wahrhaftigkeit. Seine Versuche, dafür tragfähige Formen und eine adäquate Bildsprache zu entwickeln, führen ihn einerseits in die vorfindlichen Kulturbestände – aber ebenso in die ganz persönliche, ihn umgebende Wirklichkeit.

Erstmals gibt es eine Solo-Schau mit Werken von Christian Bussenius in Magdeburg: Unter dem Titel „Seitenwechsel“ bis zum 26. Mai in der Kunstgalerie fabra ars in der Grünen Zitadelle, Breiter Weg 8a. Vernissage ist am 3. Mai in Anwesenheit des Künstlers, der Eintritt ist frei. Tina Simon

Zurück