Liebe, Leidenschaft und Gesang

Magdeburg und New York verbinden sich im April mit der Schaubühne. In der neuen Inszenierung „Glorious“ um Florence Foster Jenkins und die Kraft der Träume.

Spätestens seit der Verfilmung mit Meryl Streep ist die Geschichte der Florence Foster Jenkins auch hierzulande bekannt. Sie war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der 1940er Jahre und liebte das Singen. Sie sang mit Leidenschaft – und falschen Tönen. Was ihr letztlich den Titel „Königin der Dissonanzen“ einbrachte. Doch das Publikum jubelte ihr trotzdem zu. Sie füllte große Konzertsäle, bis hin zur Carnegie Hall. Was war das Faszinierende an dieser Frau? Worin ist ihr Erfolg begründet? 
Fast zeitlich mit dem Film befasste sich in Magdeburg die Schaubühne mit dem Thema. Doch ein Ensemble von nebenberuflichen Schauspielern braucht etwas mehr Zeit als Hollywood. Nun jedoch ist es soweit: Am 7. April hat die Inszenierung Premiere. Dann heißt es „Vorhang auf!“ im Moritzhof. Bis dahin wird noch fleißig geprobt, an jedem Wochenende. Wir durften an einem Sonntag dabei sein und erlebten: Es geht zwar um dieselbe Person und deren Geschichte, doch die Inszenierung wird um einiges anders als der Film.

Probe. Auf Anfang. Noch ist die Dekoration improvisiert. Stühle und Tische werden sinnbildlich zu Klavier, Sofa und Bar. Ein nervöser Herr bereitet sich auf sein Vorstellungsgespräch vor. Klopf klopf. Auftritt Florence Foster Jenkins alias Julia Jantos … „Cosmé McMoon! Schon der Name klingt musikalisch!“ schwärmt sie, ohne sein Spiel zu kennen.  Allein, wie gut das bei den künftigen Auftritten klänge, fasziniert sie: „mit Cosmé McMoon am Klavier!“ Sie hat Träume, die Florence Foster Jenkins. Einige hat sie bereits verwirklicht. Konzerte in ausverkauften Sälen gegeben. „Ich singe so gern“, sagt sie und lässt andere an ihrem Gesang teilhaben. Sogar Plattenaufnahmen hat sie eingesungen. Im Studio habe man sich gewundert, dass sie eine Arie „in einem Rutsch“ aufgenommen hat. Doch sie schwärmt von ihrem Talent und ihren strapazierfähigen Stimmbändern. „Wenn ich es beim ers-ten Mal nicht hinkriege, wird es beim zweiten Mal nicht besser.“ Julia Jantos verleiht ihr eine Leichtigkeit, eingetaucht in eine rosarote Scheinwelt. Alles ganz reizend, bezaubernd, wunderbar – glorious!  
Soweit so gut.

Dann beginnt sie zu singen. Die Florence. Im Original. McMoon erlebt einen Wandel. Eine Herausforderung für Ulrich Baster, der sowohl den erwartungsfroh-schüchternen Bewerber spielt als auch das Erschrecken. Letzteres gilt es zu überwinden. Pianist McMoon muss sich einstellen. Für ihn ist es eine Frage des Überlebens. Ihr fürstliches Honorar ist „Musik in seinen Ohren“, ob sie die Dissonanzen übertönt? 

Die Menschen um die Mäzenin sind voll des Lobes. Würde sie in ihrer Selbstwahrnehmung Kritik nicht verstehen? Andererseits jedoch lässt sich Jenkins von ihrer Mexikanischen Angestellten im derbsten Spanisch anschreien (herrlich: Jana Dorsch!). Sie scheint das Leben leicht zu nehmen, lächelt und findet alles bezaubernd. Zweideutige Formulierungen à la „Sie ist nicht von dieser Welt“ nimmt sie als Kompliment entgegen. Kein Wunder, wird sie doch umschmeichelt als „Nektar der Götter“ vom Mann an ihrer Seite, St. Clair Bayfield alias Heiko Herfurth (zauberhaft, ganz reizend, um im Florence-Jargon zu bleiben).

Diesen Hintergrund kennend wird die Inszenierung bereits bei der Probe zu einem unterhaltsamen Spaß. Die Schaubühne präsentiert das Stück als Komödie. Aber „ohne uns lustig zu machen über diese Frau“, betont Regisseurin Julia Jantos.

Doch Theater soll auch unterhalten – und ganz ehrlich: Humorfrei kann man diese Geschichte doch nicht betrachten, oder?

Fakt ist: Sie war eine beeindruckende Frau. Eine mit Einmaligkeit. Die einen Traum hatte und den auch verwirklichte. Sie steht damit sogar im Guinness Buch der Rekorde (wenn auch als „schlechteste Sängerin aller Zeiten“). Die Plattenaufnahmen gibt es übrigens noch zu kaufen. Zu empfehlen wären die Arien & Lieder von Mozart, „in einer sehr speziellen Interpretation“. Sie geben einen guten Eindruck von der Originalstimme. So glorious!

Die Geschichte dazu bietet dann die Schaubühne live im Moritzhof. Mein Tipp: Unbedingt hingehen!     Birgit Ahlert

Aufführungen im Moritzhof: Sa. 7. April, 20 Uhr / So. 8. April, 16 Uhr / Sa. 28. April, 20 Uhr / So. 29. April, 16 Uhr
Kartenvorverkauf u.a.: www.moritzhof-magdeburg.de/glorious, www.moritzhof.ticket.io, Buchhandlung Bartel & Gand Olvenstedter Straße, Das Kartenhaus im Allee-Center, Tourist-Information Breiter Weg

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