Scharfe Sprüche: Höhenflüge mit Bodenhaftung

Wenn man jemandem sagt, wie’s ist, sagt ein anderer, so ist es nicht. Wie ist es denn nun? Mein Gesicht war ja kürzlich der großen „Zeit“ zu besichtigen. Und ich habe dort meine Meinung über die Entwicklung am Hassel rausgelassen. Man muss meine Meinung nicht teilen und kann mit anderen Augen auf das Magdeburger Nachtidyll schauen. Dazu hat jeder ein Recht, der hier Tag für Tag an Ort und Stelle ist und sieht, was passiert. Aber ich lasse mir meine Einschätzung nicht von solchen verbessern, die hier ab und an mal eine Stipvisite machen oder mit dem Fahrrad eine Runde drehen. Aus der Luft sieht die Welt anders aus als aus der Schlüssellochperspektive. Und noch anders schmeckt das Leben, wenn man sich die leckersten Salatvariationen auf einem Bildschirm anglotzt. Es nutzt nichts, wenn ich in die Nordrichtung schaue und auf der anderen Seite des Platzes blickt man in den schönen Süden. Da teilt sich der Hassel dann in den Köpfen wie die Erdkugel am Äquator. Aber es gibt eins, das ist unteilbar: nämlich das Recht. Ein Rechtsstaat muss die Rechte der Bürger schützen und die Erfüllung von Pflichten garantieren. Nur darauf kann Demokratie existieren. Wer aus welcher Überzeugung auch immer meint, dass irgendjemandem eine Extrawurst zusteht, unterläuft Rechtsstaat und Demokratiefundament. Ich weiß auch nicht, welchen Auslegungsspielraum eine Straftat haben sollte. Ob eine Gesetzesüberschreitung vorliegt, kann sich niemand verwursten, wie er will. Auch ich nicht, der ständig mit Würsten zu tun hat. Überführte Straftäter bleiben überführte Straftäter, so wie Krakeeler, randalierende Trunkenbolde und Suchtschlafwandler wohl kaum einen Beitrag zur Kulturhauptstadstbewerbung einbringen. Und solche werden wir nicht Ringelpietz bekehren. Ich wäre glücklich, wenn am Hassel jede Menge Kultur wäre, mehr Musik, mehr Tanz, mehr Fröhlichkeit. Und ich würde selbst das Tanzbein schwingen, bis der Morgen graut. Aber Wünsche und Worte sind noch keine Realität. Leben wird nicht einfach herbefohlen, sondern entsteht mit denen, die da sind. Man mag mir meine Meinung vorwerfen, aber die ist kein Höhenflug, sondern ganz banale Bodenhaftung. Wer’s nicht glaubt, ist jederzeit herzlich willkommen, sich selbst ein Bild davon zu machen, als aus der Entfernung aus Kommentarrohren zu schießen. Ich serviere dazu gern Currywurst international mit den zwei Enden vom selben Anfang. Also bis gleich, Euer Olaf vom Hassel.

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